The Northman Review: Die Wikinger, wie Sie sie nie sehen

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Als wir den 38-jährigen Regie-Shootingstar Robert Eggers („Der Leuchtturm“) in einem Interview in einem Hotel an der Hamburger Alster fragten, ob er manchmal Kompromisse bei der historischen Authentizität eingehen würde, um die Arbeit am Set zu erleichtern, antwortete er so es passiert ab und zu. Als Beispiel nennt er die Kabine in seinem gefeierten Debüt „The Witch“ – die Fenster im puritanischen Neuengland waren tatsächlich ein paar Zentimeter kleiner, aber dann gab es nicht genug Licht, um zum Filmen in den Raum zu gelangen. Man spürt, dass ihn dieser kleine Ausrutscher sieben Jahre später immer noch sehr quält – und es spielt keine Rolle, ob ein Mensch neben ihm auf dem Planeten es bemerkt oder nicht.

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Führt zu einem Wikinger-Rache-Epos”Nordländer“, das zunächst mit einem Budget von 65 Millionen Dollar gemunkelt wurde, die Kosten aufgrund von Corona-Schutzmaßnahmen später sogar um rund 30 Millionen Dollar anstiegen, stellt sich natürlich die Frage, ob die bisherigen Indie-Favoriten absolut kompromisslos auch in einem durchzuhalten sind gut kalkuliertes Hollywood-Studiosystem. ok? Die Antwort ist: Er hat es einfach gemacht! Robert Eggers bekommt auch deshalb so viel Geld, weil die Marketingabteilung gerade den Erfolg anderer Wikinger-Themen beobachtet. Aber wenn man sich nur “Vikings” anschaut und “Assassin’s Creed: Valhalla” spielen, werden Sie nicht bereit sein für das, was Sie in “The Northman” erwartet …


Amleth schwört als Sohn, seinen Vater zu rächen, seine Mutter Gudrn zu retten und seinen Onkel zu töten …

„Der Nordmann“ basiert auf der Wikinger-Sage, die später zur Vorlage für William Shakespeares „Hamlet“ wurde – daher auch die Ähnlichkeiten in den Namen der Protagonisten: Im Jahr 895 verfolgt der Wikingerkönig Aurvandil (Ethan Hawke) die Macht seines späteren Bruders Fjolnir ( Claes Bang) wird ermordet. Auch Aurvandils Sohn soll getötet werden – doch Amleth (als Kind: Oscar Novak) gelingt die Flucht. Er schwört jedoch, später zurückzukehren, um seinen Vater zu rächen, seine gefangene Mutter Gudrún (Nicole Kidman) zu befreien und seinen Onkel zu töten.

Die Gelegenheit dazu bot sich 30 Jahre später. Als Amleth (als Erwachsene: Alexander Skarsgård) Osteuropa mit Wikingerhorden überfiel, wurden einige der Gefangenen als Sklaven auf die Farm von Fjölnir nach Island geschickt, das inzwischen sein Königreich wieder verloren hat. Amleth gibt vor, ein Sklave zu sein, um mit Hilfe der Wahrsagerin Olga (Anya Taylor-Joy) einen blutigen und blutigen Racheplan zu verfolgen.

Jedes kleine Detail

Wir wissen weniger über die Wikinger, als die meisten Leute denken. Nicht einmal allzu viele Befunde – und zeitgenössische Berichte sind meist christlich geprägt und daher nur bedingt belastbar. Trotzdem hat Robert Eggers alles getan, um ein Höchstmaß an Authentizität zu erreichen. Selbst für ein Boot, das nur weit draußen auf dem Meer zu sehen ist, verwendet es eine museale Nachbildung – obwohl es der Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht auffallen würde, wenn es sich um ein grob gemachtes Pappmaché-Modell handeln würde. Als Nicht-Wikinger-Experte ist es natürlich fast unmöglich, diese Besessenheit im Detail wirklich nachzuvollziehen – aber man spürt sie. „The Northman“ fühlt sich ganz anders an als die normannische Popkultur von „Vikings“ & Co.

Robert Eggers, der zusammen mit dem isländischen Dichter Sjón das Drehbuch geschrieben hat, ging noch einen Schritt weiter: Wie schon bei „The Witch“ ging es ihm auch bei „The Northman“ nicht darum, ein aus heutiger Sicht zutreffendes Geschichtsbild zu zeichnen – es geht darum ging es vielmehr darum, das damalige Weltbild der Menschen nachzubilden: Im puritanischen Neuengland aus „The Witch“ war es daher ganz normal, dass Hexen existierten – und für die Wikinger waren die Walküren keine Sagengestalten, sondern ein ganz „natürlicher“ Teil davon ihre Welt. In The Northman kollidieren die historische und die mythologische Welt nicht – sie sind buchstäblich von Anfang an eins.


Bevor Anya Taylor-Joy mit The Queen’s Gambit zum Weltstar wurde, gelang ihr mit Robert Eggers’ Debüt The Witch der Durchbruch.

Das ist übrigens nicht gut erklärt – und kränkt daher einige Zuschauer ebenso wie die Tatsache, dass Robert Eggers sich auch weigert, die heutigen grausamen Ereignisse mit moralischem Gespür zu behandeln: Amleth war relativ früh in einen brutalen Überfall verwickelt ein Dorf, davor belebten sich die Wikinger in einem animalischen, wolfsähnlichen Zustand, in dem Frauen und Kinder gnadenlos in eine Hütte gesperrt und verbrannt werden – dennoch bleibt er der tragische Held der Geschichte. Aber die Folgen enden hier nicht …

…denn Robert Eggers setzte trotz seiner mangelnden Erfahrung in der Großserienproduktion nicht nur auf seine vertrauten Mitarbeiter wie Kameramann Jarin Blaschke oder seine Cutterin Louise Ford, sondern auch auf seine strenge Art zu filmen, in einer modernen Art und Weise Art Blockbuster zu drehen, so ist das. gar nicht passt: “The Northman” wird mal wieder in Totale ohne Zuhilfenahme einer Handkamera gedreht – wobei jeder Winkel minutiös im vorherigen Storyboard geplant ist, das zugrunde liegt auf die übliche filmung des ereignisses aus x verschiedenen perspektiven, vor allem wenn die actionsequenzen vernachlässigt werden.

Erstaunlicher Wikinger-Angriff

Damit sieht der Film am Ende genau so aus, wie Robert Eggers es sich vorher vorgestellt hatte – schließlich war es nicht möglich, große Änderungen am Schnittplatz vorzunehmen, weil das Material nie gedreht wurde. Die Ergebnisse des erwähnten Überfalls im Dorf Rus können sich sehen lassen: In einer einminütigen Sequenz schlachtet sich ein aufgeregter Amleth durch die kleine Siedlung, während auch um ihn herum reinblütiges Chaos wütet. Solche Szenen kennt man eigentlich nur mit einer wackeligen Handkamera – aber die lebendigen Settings von „The Northman“ erlauben es, die Szene in ihrer Gesamtheit zu betrachten.

Hinter jeder Ecke des Bildes passiert etwas – und während solche Momente natürlich eine große Planung und umfangreiche Übung erfordern, fühlt sich die tödliche Aufregung völlig surreal und völlig unchoreografiert an. Insofern ist auch der Trailer zum Film ein wenig irreführend: „The Northman“ eskaliert ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu einem historischen Armee-Epos mit immer weiteren Schlachten, sondern wird noch intimer die zweite Hälfte. Ein mythologisch aufgeladener Serienkiller-Thriller entfaltet sich aus der Perspektive des Killers, der sich auch in einer superbrutalen Quidditch-Variante beweist und Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman in der vielleicht besten und eindringlichsten Monolog-Szene ihrer Karriere gegenübersteht…

Fazit: Ein rohes, blutgetränktes, bildgewaltiges Wikinger-Epos, wie Sie es noch nie zuvor gesehen haben. „The Northman“ würde das Publikum mit seiner rebellischen Konsequenz radikal spalten – aber niemand erwartete etwas von Robert Eggers nach „The Witch“ und „The Lighthouse“, egal wie viele Millionen das Studio ihm gab, um seine einzigartige Vision zu verwirklichen. stelle ausserdem zur Verfügung.

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