Smartphone-Bank kündigt mehrere Konten ohne Vorankündigung

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Frankfurt Deutschlands wertvollstem Fintech droht ein neues Problem: Kunden ärgern sich darüber, dass ihre N26-Konten plötzlich gekündigt wurden. Keine Überweisungen, keine Bargeldabhebungen: Dem Handelsblatt sind Dutzende Fälle bekannt, in denen Kunden seit vergangenem Donnerstag keinen Zugriff mehr auf ihr Konto hatten.

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Mehrere Kunden aus dem In- und Ausland haben das gleiche Schreiben der Online-Bank erhalten, in dem es heißt: N26 hat einen Verstoß gegen die AGB des betreffenden Kontos festgestellt. “Deshalb erklären wir die außerordentliche Kündigung Ihres N26-Kontos.”

Die Mitteilung erfolgt nach den „Grundregeln der Kundenbeziehung zur Bank“. Die Kündigung wird sofort wirksam.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisierte: „N26 hat im Kündigungsschreiben auf einen Verstoß gegen AGB hingewiesen, aber keine Auskunft darüber gegeben, welchen konkreten Verstoß der Kunde geltend gemacht hat.“

Eine fristlose Kündigung gemäß den genannten Bedingungen ist nur aus wichtigem Grund möglich. „Im Falle eines Vertragsbruchs sollten Banken ihren Kunden Zeit geben, die Situation gemäß ihren eigenen Bedingungen zu beheben“, sagte Nauhauser.

Tatsächlich enthalten die Geschäftsbedingungen der Bank ein 14-seitiges Dokument zum Thema „Grundregeln für die Beziehung zwischen Kunde und Bank“. Danach ist eine Kündigung „aus wichtigem Grund ohne Einhaltung der Kündigungsfrist“ nur aus drei Gründen zulässig: wenn der Kunde unrichtige Angaben zu seinen Vermögensverhältnissen gemacht hat, wenn eine wesentliche Verschlechterung seiner Vermögensverhältnisse eintritt oder einzutreten droht, oder wenn der Kunde innerhalb einer von der Bank bestimmten angemessenen Frist seinen Verpflichtungen zur Auftragserteilung nachkommt oder die Stellung der Sicherheit verstärkt.

Unter den Betroffenen ist auch Alex K.*. Er ist seit anderthalb Jahren Kunde von N26. Am Donnerstagmorgen habe er mit seinem Konto ein Sandwich gekauft, berichtete er. Am Nachmittag konnte er nicht mehr auf sein Konto zugreifen.

Herkunftsnachweis der beantragten Mittel

Einige Kunden, die sich immer noch in ihr Konto einloggen können, sagen sogar, dass N26 den gesamten Betrag vom Konto abgehoben hat. So erging es auch Lars P.*. Am Freitag das ganze Geld von N26 von seinem Konto abgebucht wurde. Heute bekam er dann eine Nachricht von der Smartphone-Bank: Sein aktuelles Guthaben reicht nicht aus, um die ausstehende Abbuchung zu decken.

Natürlich muss P. seine Betriebskosten weiter bezahlen, aber wegen Abbuchung N26 ist kein Geld mehr auf seinem Konto. Wenn die Transaktion abgelehnt wird, wird er belastet, sagte die Nachricht N26. Und fällt das Konto dann in den roten Bereich, werden auch die Dispozinsen fällig. Wohin genau das abgebuchte Geld überwiesen wurde, ist unklar.

Auf Anfrage des Handelsblatts sagte N26: „Manchmal müssen wir ein Konto einfrieren oder schließen, wenn wir ungewöhnliche Aktivitäten feststellen oder gegen unsere AGB verstoßen wird. Sie können sich nicht zu den konkreten Gründen für die Schließung äußern. In den seltenen Fällen, in denen sie dies tun Konten schließen, werden sie ihre jeweiligen Kunden direkt benachrichtigen.Nur sehr wenige Konten sind betroffen, teilte die Smartphone-Bank mit.

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In ihren Anschreiben an zumindest einige Kunden erklärte die neobank auch, dass es derzeit nicht möglich sei, den Restbetrag des Kontos auszuzahlen. „Bitte übersenden Sie uns einen Herkunftsnachweis der Mittel in Form entsprechender Dokumente.“ Die Bank wird dann die Zahlung des Restbetrags „nachprüfen“.

Die Worte deuten darauf hin, dass die Massenentlassungen mit den Bemühungen von N26 zusammenhängen, bessere Geldwäschekontrollen zu installieren. Denn im Zusammenhang mit Geldwäsche und Kontobetrug wird meist ein Herkunftsnachweis verlangt.

„Zum gleichen Zeitpunkt spricht die Häufung von Fällen auch bei mehreren langjährigen Kundenbeziehungen dafür, dass die Kündigungshandlung nicht auf routinemäßiger Überprüfung beruht“, so Nauhauser.

Die Bafin nimmt die N26 an die kurze Leine

In den letzten zwei Jahren hatte N26 anscheinend ein großes Problem mit Konten, die Kriminelle verwenden konnten, um illegal erworbene Gelder ins Ausland zu schmuggeln. Im vergangenen Sommer berichtete das Handelsblatt über eine Liste von fast 1.600 Neobank-Konten, die zwischen Mai 2019 und Juli 2021 eröffnet wurden und offenbar für gefälschte Shop- oder gefälschte Ebay-Konten im Internet verwendet wurden. Offenbar hatte N26 lange Mühe, Neukunden richtig zu identifizieren.

Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin begrenzte daraufhin das Wachstum von Neukunden auf N26, und die italienische Aufsichtsbehörde sperrte im März sogar neue Kunden. Diese Beschränkungen werden erst dann gelockert, wenn Fintechs Fortschritte bei der Geldwäscheprävention vorweisen können.

N26 steht daher unter Druck, seine regulatorischen Probleme dringend zu lösen, um wieder zu wachsen. In den letzten Monaten haben Unternehmen stark in bessere Sicherheitsprozesse und die Einstellung von Personal dafür investiert.

Der Wortlaut des Kundenschreibens könnte ein Hinweis darauf sein, dass N26 seinen Kundenstamm nun ausgiebig nach potenziell verdächtigen Konten durchsucht, um seine Probleme zu lösen, und es vorzieht, zu lange darauf hinzuweisen.

„Wir raten den Betroffenen, sich bei der Bank nach der konkreten Grundlage der Kündigungsansprüche und angeblichen Pflichtverletzungen zu erkundigen“, sagte Nauhauser. Stellt sich die Kündigung als unberechtigt heraus, kann sogar ein Anspruch auf Schadensersatz bestehen. In diesem Fall müssen die Betroffenen den verursachten Schaden dokumentieren, so Nauhauser.

Wieder: Die italienische Finanzaufsicht verhängt einen Neukundenstopp für N26

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