Privatunterkünfte für Flüchtlinge aus der Ukraine: Neues Haus – Potsdam

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Potsdam – Sie hat ein paar Wörter und Redewendungen auf Deutsch gelernt, den Rest erledigt ihr Handy: Hanna Kosianchuk weiß, dass sie kurze Sätze in ihrer Muttersprache Russisch sagen muss, damit die App-Übersetzung funktioniert. „Ich bin froh, dass das Schicksal uns mit diesen Menschen zusammengebracht hat“, sagte eine Stimme aus dem Smartphone.

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„Diese Leute“ sind Ute und Michael, 61 und 66 Jahre alt. Ein Ehepaar, das in seinem Reihenhaus in Babelsberg eine Oma-Wohnung für Flüchtlinge aus der Ukraine eröffnet hat. Dort lebt Hanna seit etwa fünf Wochen mit ihren beiden Töchtern. „Wir sind so glücklich, eine so wertvolle Seele getroffen zu haben“, sagte Ute über seine neue Mitbewohnerin.

Eigentlich ein anderer Plan – dann kam der Krieg

Es ist fast wie eine Familie. Zu Ostern gingen sie gemeinsam im Garten spazieren, die sieben- und neunjährigen Töchter Hanna verstanden sich gut mit dem Enkel des Gastgebers. Das Ostereiersuchen als ausgesprochen deutscher Brauch ist ein neuer Genuss. „Wir fühlen uns hier zu Hause“, sagte Hanna Kosianchuk. “Ich habe die Augen meiner Kinder strahlen sehen und mich darüber gefreut.” Er bedankte sich bei seinem Gastgeber: “Solche Leute trifft man auch zu Hause nicht immer.”

Eigentlich, sagten Ute und Michael, hätten sie dieses Jahr ganz andere Pläne. Endlich eine wohlverdiente Auszeit von der Arbeit, es muss verreist werden. „Wir haben schon ein Wohnmobil vor der Haustür“, sagt Michael, der bis heute eine eigene Werkstatt betreibt. Dann begann der Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Hiobsbotschaft hat das Paar tief bewegt. Man kann nicht in den Urlaub fahren, als wäre nichts passiert, während so viele Menschen um ihr Leben fürchten. „Wir können dieses Leid nicht ertragen, ohne etwas zu tun“, sagte Michael.

“Es klingt ziemlich flach, aber am Ende ist es so”, nickte seine Frau. Über die Arbeiterwohlfahrt, die den Flüchtlingen zunächst auch Privatunterkünfte vermittelte, boten sie Omas Wohnung im Erdgeschoss an, die sonst nur für Familienbesuche genutzt wurde. Viel Glück Hanna Kosianchuk.

Entfliehen Sie durch Rumänien, zu Fuß, mit Bus, Flugzeug und Zug

Der 47-jährige ukrainische Arzt verließ Kiew mit seinen beiden Töchtern kurz nach Kriegsbeginn und machte sich auf den langen Weg in Sicherheit. Das Ziel müsse Potsdam sein, auf Empfehlung von Freunden, die schon lange hier leben, sagte er. Die Grenze nach Rumänien überquerte die Familie zu Fuß, nach fünf Tagen Aufenthalt in einem rumänischen Dorf mit dem Bus zum Flughafen, von dort nach München, mit dem Zug nach Berlin und mit der S-Bahn nach Potsdam. Die Familie kam am 5. März hierher und übernachtete zunächst im Kongresshotel, bis sie ein Angebot aus Babelsberg erreichte.

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Gastgeber helfen auch bei Verwaltungsverfahren im Zusammenhang mit der Krankenversicherung oder dem Schulbesuch. Prinzessin Hanna lernt noch online an ihrer Schule in Kiew, nach den Osterferien werden sie in Potsdam studieren. Der Älteste spielte Fußball beim FSV Babelsberg 74 – eine Initiative von Michael – und verwirklichte sich damit seinen Traum, wie die Mutter schmunzelnd erklärt: „Ich dachte immer, dieser Sport ist nichts für Mädchen. Da habe ich mich umentschieden. ”

Der neue Haushalt hatte auch an zwei Turbine-Spielen teilgenommen. „Die Kinder wollen hier leben, sie lieben es – auch wenn sie ihre Freunde vermissen“, sagt Hanna Kosianchuk. Sie werden jetzt in ganz Europa vertrieben: Polen, Frankreich, Deutschland. Einige leben auch in der Ukraine.

Wie lange die Familie in Potsdam bleibt, ist ungewiss

Auf die Frage nach der Zukunft seines Heimatlandes antwortete der Mediziner: „Ich hoffe und glaube, dass alles gut wird.“ Wenn es nur um ihn ginge, würde er wieder in seinem Krankenhaus arbeiten, sagte er. Aber die Risiken für die Gesundheit und das Leben ihrer Kinder waren zu groß für sie. Erst am Ostermontag sprach er mit einer zurückgekehrten Pflegekraft über seine Situation: Viele Kollegen bleiben jetzt im Krankenhaus, weil es schwierig ist, zur Arbeit zu kommen. „Es ist immer noch sehr besorgniserregend, es gab eine Explosion – aber sie sind daran gewöhnt.“ Auch Hannas Mutter und Schwester sind noch in der Ukraine, mit denen sie ständig Kontakt hat.

Wie lange der Arzt in Babelsberg bleiben wird, ist unklar. Er will hier arbeiten und hat vier Bewerbungen geschrieben. Die Sprachbarriere ist das größte Problem. Die Stadt, die mittlerweile private Unterkünfte für Flüchtlinge regelt, geht davon aus, dass die meisten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine mittel- bis langfristig eine Unterkunft suchen. Für Durchreisende sei ein Zeitraum von wenigen Tagen bis vier Wochen geeignet, für andere sei eine Unterbringung „ab sechs Monaten bis auf unbestimmte Zeit sinnvoll“, heißt es auf der Internetseite der Stadt. Anmeldeformulare für Wohnangebote und weitere Informationen finden Interessenten unter www.potsdam.de/ukraine-hilfe.

Datenschutz ist wichtig, damit das Zusammenleben funktioniert

Warum hat das bei Hanna und ihren Gastgebern so gut funktioniert? Michael betonte, dass eine separate Wohnung sehr hilfreich wäre und jeder seine Privatsphäre wahren könne. Das Paar aus Babelsberg weiß, dass es auch menschlich klappen muss – und dafür gibt es keine Garantien.

Deshalb sei er zunächst zurückhaltend gewesen, als seine Freunde ihn nach seinen Erfahrungen fragten, sagte Ute. Nach fünf Wochen mit Hanna und ihrer Tochter kann sie voller Zuversicht sagen: „Wir haben es nicht bereut.“

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