Pheline Roggan: Sie will, dass der Film grün wird

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PHeline Roggan war genervt, oder besser gesagt wütend. Das Fahrrad war verloren, geklaut und mit ihm ein sehr praktischer Kindersitz zum Einkaufen. Dieses Rad ist weder neu noch sehr teuer, aber für ihn bedeutet es Lebensqualität für kurze Strecken in der Schanze, wo er mit Freundin und Tochter lebt. Ein Fahrzeug als Ausdruck ihres Lebensgefühls.

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Der 40-Jährige, bekannt unter anderem aus der Serie „Jerks“, will bewusst leben – im Kleinen wie im Großen. „Ich nehme so viele Züge wie möglich und fliege nur, wenn es absolut unvermeidbar ist, kaufe viel gebrauchte Kleidung, zum Beispiel von Produktionsfirmen nach den Dreharbeiten, und ich versuche, hauptsächlich lokale saisonale Bio-Lebensmittel zu essen“, sagte die Schauspielerin.

Fahrräder, Bio und Second-Hand-Ware – mit Abstand sehr ungewöhnlich für die moderne Großstadtfrau. Doch Pheline Roggan bezeichnet sich selbst als Aktivistin für Klimagerechtigkeit, irgendwann reichen ihr kleine Anpassungen im Alltag nicht mehr aus. „Wenn Deutschland klimaneutral werden soll, muss an allen Fronten dringend etwas getan werden“, sagte er. Also überlegten er und seine Kollegen, wie er die Branche umkrempeln könnte.

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Auf der Berlinale 2020 diskutierte Roggan mit seinen Kollegen Moritz Vierboom und Miriam Stein sowie Regisseurin Laura Fischer zum Thema „Green Shooting“, um mit der Industrie zu brainstormen, wie der gesamte Produktionsprozess nachhaltiger gestaltet werden könnte. Er stieß auch auf Vorurteile, er kannte Einwände gegen das Filmgeschäft. „Es wurde immer gesagt, dass Schauspielerinnen und Schauspieler beim Filmen persönlichen Luxus verlangen. Aber das stimmt überhaupt nicht“, sagt er mit Nachdruck. Und andere Gewerke, etwa die Beleuchtung, verlangten beim Catering nicht unbedingt nach Fleisch, sagt Roggan, wie er sonst genannt wird.

Also beschloss er gemeinsam mit Vierboom, Stein und Fischer, eine Initiative zu starten, um sich für mehr Klimaschutz am Set zu engagieren, in enger Zusammenarbeit mit bestehenden Initiativen wie dem „Grünen Drehpass“ der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Die Initiative heißt ChangeMakers.film und die Liste der Selbstverpflichtungen reicht von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln (mehr Bahn- als Flugreisen), Naturkosmetik, Gastronomie und Müllvermeidung bis hin zu Storytelling.

„Wir Schauspielerinnen müssen nicht in jeder Szene neue Klamotten tragen. Das ist nicht nur unrealistisch, es vermittelt auch ein falsches Bild“, sagte Roggan. Als starkes Medium hat Film die Möglichkeit, ein umweltbewusstes Leben zu vermitteln. Im Fachjargon nennt man das Green Storytelling. Mehr als 600 Filmemacher, darunter Schauspieler Bjarne Mädel, Regisseure und Produzenten Lars Jessen, Katja Riemann und Jella Haase, haben eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet.

Die Idee: Klimaschutz muss strukturell angegangen werden, auch wenn jeder Einzelne eine sehr beliebte Gewohnheit aufgeben muss. Wenn man nach einem langen Drehtag plötzlich mit der U-Bahn statt mit dem Taxi fahren muss, ist das zunächst ungewohnt und unbequem, aber wenn wir nicht konsequent handeln, wird es für uns noch viel unbequemer wir alle, sagte er.

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Neben dem Streben nach klimafreundlicheren Filmen spielt Roggan natürlich auch, er steht gerade für die fünfte Staffel der Pro7-Reihe „Jerks“ vor der Kamera. In Christian Ulmens Improkomödie spielt Roggan die Freundin von Fahri Yardim, mit der er einst eine WG teilte. Es geht um die unglaublich peinliche Alltagssituation zweier Paare in Potsdam.

„In der Show haben unsere Charaktere tatsächlich Namen wie wir, aber das ist natürlich nicht unsere Geschichte“, sagte Roggan. Das Filmemachen verlangt ihm jedoch immer alles ab. “Ich muss jedes Mal meine Hemmungen brechen und mich dazu zwingen, mich nicht auf eine peinliche Situation einzustellen, sondern sie auszuhalten und schlimmer zu machen.”

Roggan, der schon während seiner Schulzeit am Helene-Lange-Gymnasium mit dem Modeln begann, aber schnell die Lust daran verlor, bezeichnete seine Rolle in dem Ein-Mann-Stück „Das Kunstseidene Mädchen“ in den Hamburger Kammerspielen als seine größte Herausforderung. Er erinnerte sich an früher: „Es war ein toller Job und ich hatte Angst vor der Premiere. Aber je größer die Angst, desto besser das Ergebnis.“

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Von 2001 bis 2004 absolvierte Roggan eine Ausbildung an der Hamburger Schauspielschule, ohne ein konkretes Ziel zu haben, Schauspielerin zu werden. „Ein Freund hatte damals einen Antrag gemacht, also tat ich dasselbe“, erinnert er sich. Bereits 2004 spielte er Punk in „Kebab Connection“ nach einem Drehbuch von Fatih Akin. 2009 trat er in seiner „Soul Kitchen“ auf.

Es folgten zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen sowie Theateraufführungen, unter anderem bei den Nibelungenfestspielen in Worms. Zuletzt war er als Kreuzfahrtpianist in der Kunstraub-Komödie „Das Schwarze Quadrat“ im Kino zu sehen, im Fernsehen als strenger Lehrer in „Moooment!“, einer Comedy-Serie über Kika, die sich mit alltäglichem Rassismus auseinandersetzt.

Roggan strahlte etwas Unzerstörbares, Unnahbares aus. Vielleicht lag es an ihrer Physiognomie, ihrer hellen Haut, dem entschlossenen Blick, den sie tragen konnte. Er fand “Bitch” ein bisschen langweilig, wie er es ausdrückte. Dann wäre sie lieber ganz böse, wie in der Märchenverfilmung „Cinderella“, wo sie eine Halbschwester spielte. Das ist über zehn Jahre her, aber dieses Image prägt ihn noch heute, zumindest im Freundeskreis seiner fünfjährigen Tochter. Auf dem Spielplatz zeigten sie manchmal auf ihn und riefen: “Das ist der Bösewicht aus Cinderella.”

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