Nomophobie: Das steckt hinter dem Phänomen der Angst

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Nomophobie
Dies steckt hinter dem Phänomen der Angst

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Vielen Menschen fällt es heutzutage schwer, ihr Smartphone einfach wegzulegen.

Vielen Menschen fällt es heutzutage schwer, ihr Smartphone einfach wegzulegen.

© Arsenii Palivoda/Shutterstock.com

Vielen Menschen fällt es schwer, ihr Smartphone einfach wegzulegen. Ein Interview über das neue Angstphänomen Nomophobie…

Akku leer oder schlechte Internetverbindung? Obwohl Smartphones nur temporär genutzt werden können, verursacht es bei vielen Menschen Stress. Es kann so weit gehen, dass das Phänomen der Nomophobie-Angst ausgelöst wird. dr Andreas Hagemann, Psychiater und Ärztlicher Direktor der Privatkliniken Merbeck und Röher Parkklinik, verrät im Interview mit der Nachrichtenagentur am Nachrichtensender, was es damit auf sich hat und wie Betroffene das Abschalten lernen.

Was ist Nomophobie?

Dr. Andreas Hagemann: E-Mail, Smartphones und Messenger-Dienste wie WhatsApp halten uns auf Trab. Sich rund um die Uhr per Handy austauschen zu können, ist für viele Menschen schon lange ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Auch Gedanken ohne soziale Bindungen und Kontakte, auch nur für kurze Zeit, lassen den Stresspegel oft in die Höhe schnellen. Diese „Trennungsangst“ nennt man Nomophobie – sie kommt von „keine Handyphobie“.

Neben der Angst, etwas zu verlieren, spielt natürlich auch der Druck selbst auferlegter Erwartungen eine große Rolle. Bedeutung: Ich denke, andere Leute haben eine sofortige Antwort erwartet und ich habe die Erwartungen nicht erfüllt, ich bin enttäuschend.

Welche Personengruppen leiden am meisten?

Hagemann: Oft sind Menschen zwischen 20 und 30 Jahren betroffen, die ihr Handy kaum aus der Hand legen. Hinter relativ harmlosen Erscheinungen verbergen sich immer häufiger behandlungsbedürftige Suchtverhaltensweisen oder andere psychische Erkrankungen (z. B. Angst- und Zwangsstörungen oder soziale Phobien).

Was sind die typischen Symptome einer Nomophobie?

Hagemann: Wenn das Handy nicht zur Hand ist oder der Akku oder das Netz ausfallen, reagieren Menschen mit Nomophobie nervös auf Stresssituationen. Unsicherheit und Unruhe sind Symptome, die so typisch sind wie Zittern oder Schwitzen.

Was können Sie machen?

Hagemann: Eine Zeitlang wieder ohne Handy auskommen zu lernen, ist generell einer der wichtigsten Therapieschritte – und eine bewährte Präventionsmaßnahme. Wer sein Smartphone nicht ab und zu offline schaltet, läuft Gefahr, Nachrichten, Bilder und andere Informationen dauerhaft zu überfluten. Nicht ständig erreichbar zu sein schafft mehr persönliche Freiheit und fördert zudem den Stressabbau.

Es kann hilfreich und entspannend sein, kontinuierliches Multitasking einzuschränken, z. B. nicht gleichzeitig E-Mails zu checken oder im Internet zu surfen und zu telefonieren. Diese parallelen Aktivitäten überschwemmen unser Gehirn. Weil es nicht in der Lage ist, sich gleichzeitig auf zwei komplexe Tätigkeiten zu konzentrieren. Die Folge: Unsere Leistung verbesserte sich nicht, sondern erstickte. Wir springen in Themen hin und her und müssen jedes Mal aufs Neue gedanklich arbeiten. Am Ende hat nichts richtig geklappt. Mein Tipp: Es ist besser, sich auf eine Sache zu konzentrieren, als zwischen zwei komplexen Aufgaben hin und her zu springen. Ansonsten ist negativer Stress buchstäblich programmiert.

Wird Nomophobie auch therapeutisch behandelt?

Hagemann: Aufgrund des neuen Krankheitsbildes gibt es noch keine fundierten Erkenntnisse über die Wirksamkeit verschiedener Psychotherapiemöglichkeiten. Da das Verhalten und die Symptome der Betroffenen denen anderer Suchterkrankungen und Ängste ähneln, dürfte die dort übliche kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein.

Liegt eine Grunderkrankung vor, also vorher, dann steht diese im Fokus der konventionellen Behandlung. Hinter diesem meist relativ harmlosen Phänomen verbergen sich behandlungsbedürftige Suchtverhaltensweisen oder andere psychische Erkrankungen wie Angst- und Zwangsstörungen.

Vom Einkaufszettel schreiben bis zum Nachrichtenlesen: Unser Alltag ist mittlerweile digital geprägt. Wie kann man sein Smartphone trotzdem stressfrei verstauen?

Hagemann: Es ist hilfreich, selbst zu überprüfen, wie viele Stunden Sie täglich online sind. Die Ergebnisse werden einige überraschen und sie vielleicht motivieren, vorsichtiger mit ihren Telefonen umzugehen. Nicht umsonst haben einige große Unternehmen die E-Mail-Weiterleitung außerhalb der Kerngeschäftszeiten eingestellt, da fehlende Regeneration auf Dauer zu einer schlechteren Arbeitsleistung führt.

Die Option, Ihr Telefon oder Ihren Laptop stummzuschalten, hilft auch dabei, digitalen Stress zu bekämpfen, sodass Sie ungestört arbeiten oder entspannen können. Generell empfehle ich regelmäßige Pausen einzulegen. Bereits eine Viertelstunde am Tag „Hängen“ an den eigenen Bedürfnissen hilft gegen psychischen Stress. Auch Stressbewältigungstechniken und Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung oder Yoga/Meditation erleichtern das Leben.

Dr. Andreas Hagemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik in Eschweiler bei Aachen mit den Schwerpunkten Angst- und Erschöpfungsstörungen sowie Depressionen und der Privatklinik Merbeck in Wegberg, Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkt dieser Einrichtung ist die multimodale psychosomatische Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen und Schmerzerkrankungen.

SpotOnNews

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