Im Internet kursieren Fehlinformationen über den Ukraine-Krieg

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Aus: Jan Stabener, Pia Seiler

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Kinder in Pensa (Russland) feiern den 55. Jahrestag der ersten Weltraummission von Juri Gagarin.  Reuters fand dies durch eine umgekehrte Bildsuche.  Das Bild zeigt keine ukrainischen Kinder, die Hitlers Geburtstag feiern.
Dieses Foto zeigt angeblich ukrainische Kinder, die Hitlers Geburtstag feiern. Das ist falsch: Kinder bilden eine harmlose „55“. © Twitter-Screenshot

Fehlinformationen: Im Internet kursieren viele Falschinformationen über den Ukraine-Krieg. BuzzFeed News Deutschland fasst dies in einem Fake-Newsticker zusammen.

Seit dem 24. Februar 2022 tobt in der Ukraine Krieg. An einem Tag, der in die Geschichte eingehen wird, marschierte Russland in sein Nachbarland ein. Der Krieg in der Ukraine* hat Ausmaße angenommen, die sich vor Kriegsbeginn niemand hätte vorstellen können. Angriffe auf Zivilisten, wie Buchas Gräueltaten, werden weltweit verurteilt*.

Seit Kriegsbeginn nehmen auch Falschinformationen im Internet zu. Immer wieder werden gefälschte Videos, Bilder oder gefälschte Berichte über die Situation auf der Seite geteilt. Die Informationslage im Internet ist unübersichtlich. Experten wie die Sozialpsychologin Pia Lamberty warnen deshalb eindringlich vor Desinformation als Kriegswaffe.

Nachrichten BuzzFeed Deutschland Betrieb eines fortlaufenden Fake-Newstickers, der falsche und irreführende Informationen über den Ukraine-Krieg zusammenfasst. Ganz oben stehen die neusten Falschinformationen, weiter unten alte Meldungen. (Eine vollständige Sammlung früherer Fake-News-Geschichten über den Ukraine-Krieg finden Sie hier hier)*.

25. April 2022: Dieses Bild wurde völlig aus dem Zusammenhang gerissen, berichtet Reuters. Es zeigt keine ukrainischen Kinder, die Adolf Hitlers Geburtstag feiern. Das Bild stammt vom 55. Jahrestag der ersten bemannten Weltraummission in Pensa (Russland) im Jahr 2016.

Seit einigen Tagen kursieren im Internet Posts auf Facebook und Twitter, in denen behauptet wird, dieses Bild zeige einen ukrainischen Schüler, der Adolf Hitlers Geburtstag (20. April) feiert. Begleitet wird das Foto von einem Zitat wie diesem „In #Lwow #Lemberg, #Westukraine: Schulkinder müssen #Hitlers Geburtstag feiern“ (siehe oben). Mit diesen Fake News befeuerten solche Twitter-Nutzer Wladimir Putins anti-ukrainische Propaganda.

Umgekehrte Bildersuche von Reuters ergab, dass es sich bei den Schulkindern um russische Kinder handelte. Denn: Das Foto entstand zum 55. Jahrestag des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin in Penza (Russland) und stammt aus dem Jahr 2016. Daher bildeten die Kinder kein Hakenkreuz oder „SS“, sondern eine harmlose „55“. Die unappetitliche Ähnlichkeit mit nationalsozialistischer Symbolik spielte sicherlich eine Rolle bei der Verbreitung dieser gefälschten Nachrichten.

14. April 2022: Telegram- und Facebook-Nutzer teilen im ukrainischen Fernsehen Videos, die angeblich angebliche Proteste gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zeigen. Das Video ist laut AFP gefälscht.

Ein ukrainischer Mitarbeiter soll mit einem Protest gegen Wolodymyr Selenskyj die Live-Übertragung des ukrainischen Fernsehsenders 24 gestört haben.  Das Video ist gefälscht.
Ein ukrainischer Mitarbeiter soll mit einem Protest gegen Wolodymyr Selenskyj die Live-Übertragung des ukrainischen Fernsehsenders 24 gestört haben. Das Video ist gefälscht. © Screenshot/Facebook

„Zelensky, gib auf, hör auf, Drogen zu nehmen und geh zurück auf die Bühne!“ heißt es auf einem Plakat, das laut AFP live im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Die Aktion erinnerte an den Protest von Marina Ovsjannikova im russischen Fernsehen* mit dem Schild „Stoppt den Krieg“. Im Gegensatz zu Ovsyannikovas Aktionen fanden die angeblichen Proteste jedoch nie im ukrainischen Fernsehen statt.

Das Video ist eine Montage eines TikTok-Benutzers. Laut AFP betreibt der Nutzer auch einen Telegram-Kanal und erklärt, dass er die Videos selbst gemacht habe und nicht aus dem ukrainischen Fernsehen stamme. In seinen Videos kritisiert er oft die ukrainische Regierung und übermittelt pro-russische Botschaften. Auch der ukrainische Fernsehsender „24“ wies die Vorwürfe auf Facebook zurück.

11. April 2022: Ein Screenshot eines angeblichen Artikels im Holsteinischen Kurier, der behauptet, dass russische Kinder in Deutschland von den Schulen verwiesen und zu Hause unterrichtet werden sollten, geht auf Facebook viral. Der Artikel ist gefälscht, wie Correctiv berichtet.

Gefälschter Screenshot.
Screenshots sind gefälscht. Ein solcher Text wurde vom Holsteinischen Kurier nicht veröffentlicht und es gibt keine Beweise für die Nachricht. © Screenshot/Facebook

Laut Faktenchecker Correctiv weisen die Screenshots bereits auf den ersten Blick darauf hin, dass es sich um einen Fake-Artikel handelt. Dazu gehören Rechtschreibfehler und unangemessene Inhaltsformulierungen. Inzwischen hat The Holstein Courier selbst den angeblichen Bericht als Fälschung bezeichnet. Abgesehen davon gibt es keine weiteren Beweise für die Nachricht.

8. April 2022: Auf Twitter und Telegram kursieren Behauptungen, Leichen in der ukrainischen Stadt Bucha seien einfach inszeniert worden. Videoaufnahmen der sich bewegenden Gliedmaßen der Leiche werden diesen Punkt beweisen. Correctiv und AFP haben die Bilder untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Bewegung der Toten nur ein Wassertropfen auf der Windschutzscheibe ist.

Die im Internet kursierende Behauptung, die Bewegung der Leiche sei in dem Video von Bucha zu sehen, ist Fake News.
Diese Tweets und Telegramme behaupten, dass sich die Leiche im Video von Bucha bewegt – das ist falsch. © Telegramm- und Twitter-Screenshots (Collage)

Am 2. April 2022 werden ukrainische Fernsehsender geladen Espresso-TV hat ein Video aus der Stadt Bucha, einem Vorort von Kiew, auf YouTube hochgeladen. In dem Filmmaterial wurde eine Straße, auf der Leichen lagen, von einem Fahrzeug aus gefilmt. Quelle dieses Videos ist laut TV-Sender Rechtsanwalt Ilya Novikov, der die Aufnahmen einen Tag später auch auf seinem Twitter-Profil teilte (siehe Tweet oben).

Wenn Sie sich das Video genauer ansehen, war die erste Bewegung, die bei 0:09 Minuten hätte auftreten sollen, nur ein Wassertropfen auf der Windschutzscheibe des Fahrzeugs – keine sich bewegende Hand. Die zweite angebliche Bewegung, die Twitter- und Telegram-Nutzer gesehen haben wollen, ist der Rückspiegel-Verzerrungseffekt (0:45 Minuten). Dies wird vom Faktenprüfungsteam festgestellt Reparatur. Ebenfalls BBC hat in Recherchen bewiesen, dass beide Körper auch auf Straßenbildern vom 3. April 2022 in derselben Position zu sehen sind.

6. April 2022: Dieses Foto kursiert derzeit in den sozialen Medien und trägt immer wieder die Überschrift „Love during war“. Nach Informationen von AFP stammt das Bild jedoch aus dem Jahr 2019. Es wurde nicht während des Krieges, sondern bei einem Konzert in Polen aufgenommen.

Sie standen da wie Romeo und Julia, eingehüllt in ihre Nationalflagge: gegen den Krieg, der um sie herum tobte. Nur ist das gar kein Krieg, sondern ein Konzert in Polen und das Foto ist über drei Jahre alt. Das Bild zeigt Juliana Kuznetsova aus Russland und ihren Verlobten aus der Ukraine, fotografiert für die Washington Post im November 2019 bei einem Konzert von Rapper Max Korzh. Das macht das Faktenprüfungsteam AFP Nachrichtenagentur gefunden.

Das irreführende Bild wurde zuvor auf Facebook, Twitter und Instagram verbreitet. In der französischen Post sammelte es sogar über 130.000 Likes. Anna und Jegor* erleben gerade während des Ukraine-Krieges eine wahre Liebesgeschichte – sie kommt aus Russland, sie kommt aus der Ukraine.

5. April 2022: Im Internet kursieren Gerüchte, dass nur geimpfte Ukrainer finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten. Ein Faktencheck von AFP ergab, dass diese Informationen falsch waren. Weder Präsident Wolodymyr Selenskyj noch irgendein anderes Regierungsmitglied hat jemals eine solche Behauptung aufgestellt.

Am 3. März 2022 kündigte der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskyj ein Hilfsprogramm für Ukrainer an, die durch die Invasion ihre Arbeit verloren haben.  Dieses Programm erfordert keine Impfung gegen SARS-CoV-2.
Seit März 2022 kursieren im Internet Gerüchte, dass nur geimpfte Ukrainer Militärhilfe vom Staat erhalten. Das ist falsch. © Facebook-Screenshot (Collage)

Am 3. März 2022 genehmigte die ukrainische Regierung ein Hilfsprogramm für Ukrainer, die durch die Invasion ihren Arbeitsplatz verloren haben. Beyogen auf AFP Bisher (Stand: 28. März 2022) wurden im Rahmen dieses Hilfsprogramms 2,7 Millionen Menschen in der Ukraine mit 6.500 Griwna (= 202 Euro) unterstützt.

Bei der Bekanntgabe des Programms dürfte es allerdings zu einem Missverständnis gekommen sein: Da Ministerpräsident Denys Shmyhal in dem Video von der Abwicklung von Hilfszahlungen für Arbeitslose ähnlich wie von Zahlungen für Impfungen sprach, kamen einige zu dem Schluss, dass nur diejenigen gegen SARS-CoV geimpft seien -2 hatten Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Nach Recherchen von AFP nicht wahr. Solche Bedingungen wurden in keiner offiziellen Erklärung der ukrainischen Regierung erwähnt. *BuzzFeed.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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