DFB-Frauen vor der EM – aber wen interessiert’s? Gebt dem Sport eine Plattform!

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Mit einem Sieg gegen Serbien kann sich die DFB-Frauenmannschaft ihre Tickets für die WM 2023 in Australien kaufen. Zuvor findet in diesem Jahr die Europameisterschaft in England statt. Weißt du nicht? Und hier ist das Problem.

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Ein Sieg gegen den direkten Verfolger aus Serbien, dann ist es perfekt: die Qualifikation für die WM 2023 in Australien. Nach dem 3:0-Erfolg am Wochenende gegen Portugal will die Mannschaft von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg bis ans Ende der Welt reisen.

Doch bevor der DFB der Frauen nächstes Jahr nach Australien fliegt, steht in diesem Jahr und in wenigen Monaten ein sportliches Großereignis an: die Frauen-EM in Großbritannien.

Aufgrund der Corona-Pandemie und der Verschiebung der Herren-EM in den Sommer 2021 musste das Turnier der Damen aufgeben. Doch im Juli ist es soweit und die DFB-Frauenmannschaft trifft in der Gruppenphase auf Spanien, Dänemark und Finnland.

Hand aufs Herz: Wussten Sie das? Nur.

Die Frauen-Nationalmannschaft ist erneut aus der Öffentlichkeit verschwunden. Das ist traurig. Aber dafür gibt es mehrere Gründe.

1) Sportliche Enttäuschung

Fast drei Jahre ist es her, dass der DFB der Frauen ein sportlich wichtiges Turnier ausgetragen hat. Bei der WM 2019 in Frankreich scheiterten sie jedoch im Viertelfinale an Schweden – und verpassten damit die Qualifikation für Olympia 2021. Ein Wettbewerb, der einem jungen Team um Lena Oberdorf, Klara Bühl und Juli gut stehen würde Marke.

Lina Magull: Der Nationalspieler verpasste mit seinen Teamkollegen Olympia 2021 in Tokio.  (Quelle: imago images/pmk)Lina Magull: Der Nationalspieler verpasste mit seinen Teamkollegen Olympia 2021 in Tokio. (Quelle: pmk/imago image)

Allerdings hatte das DFB-Team in letzter Zeit kaum einen Test gegen Gegner auf Augenhöhe, in meist vereinzelten Höhepunkten wie zuletzt im Arnold-Clark-Cup gegen Spanien (Unentschieden), Kanada (Pleite) und England (Pleite). In der WM-Qualifikation wurden alle sieben Spiele gewonnen – mit einem Torverhältnis von +32. Abgesehen von überschaubaren Erfolgen gegen starke Mannschaften ist die Attraktivität des Sports nur ein Teil des Problems.

2) Schlechtes Marketing

Kennen Sie Felicitas Rauch, Jana Feldkamp oder Nicole Anyomi? Nein? Diese drei Nationalspieler spielen am Samstag gegen Portugal und gehören zu den Topspielern der Bundesliga. Allein: Das öffentliche Interesse an Deutschlands höchster Frauenliga scheint vernachlässigt.

Jubel bei den DFB-Frauen: Die Torjägerinnen Felicitas Rauch (links), Svenja Huth und Giulia Gwinn feiern das 3:0 gegen Portugal.  (Quelle: imago images/foto2press)Jubel bei den DFB-Frauen: Die Torjägerinnen Felicitas Rauch (links), Svenja Huth und Giulia Gwinn feiern das 3:0 gegen Portugal. (Quelle: foto2press/imago images)

Alle Bundesliga-Spiele werden jetzt live übertragen. Der größte Teil des Spiels findet jedoch hinter einer Auszahlungsschranke (MagentaSport) statt. Eurosport zeigt die Spiele des Freitagabends im Free-TV (und nicht immer) und ein drittes Programm überträgt ausgewählte Hauptspiele, wie etwa Wolfsburgs Spitzenspiel gegen den FC Bayern (6:0) am vergangenen Sonntag im Bayrischen Rundfunk.

Allerdings ist es den Verantwortlichen nicht gelungen, aus dem Schatten des Männerfußballs herauszutreten und den Frauenfußball in den Vordergrund zu rücken, womit wir beim dritten Punkt wären.

3) Medienentfernung

Gleich vorweg: Das Engagement des Pay-TV-Senders Sky ist lobenswert. Der Anbieter streamt seit dieser Saison ausgewählte Spiele des DFB-Pokals der Frauen und ab der kommenden Saison die Premier League der Frauen in England. Aber wie viele Leute werden das Spiel am Ende sehen?

Reichweitenstarke Sender sind sehr gefragt, was uns schnell zu den öffentlich-rechtlichen Sendern führen wird. Seit dieser Saison ist bei Sportveranstaltungen am Samstagabend zumindest eine Zusammenfassung der Top-Spiele zu sehen, beim Live-Sport haben ARD und ZDF aber noch Luft nach oben.

Claus Lufen (links) und Nia Künzer: Moderatoren und Weltmeister sind seit vielen Jahren das ARD-Duo für den Frauenfußball.  (Quelle: imago image/Jan Hübner)Claus Lufen (links) und Nia Künzer: Moderatoren und Weltmeister sind seit vielen Jahren das ARD-Duo für den Frauenfußball. (Quelle: Jan Hübner/image imago)

Denn einige Länderspiele sind nur im Live-Stream und nicht im linearen TV zu sehen, darunter das Hinspiel der Qualifikation gegen Portugal im vergangenen November oder das Spiel eines Vier-Nationen-Turniers. Großes Problem: teilweise unfreundliche Anstoßzeiten. Das Spiel gegen Serbien findet ebenfalls heute um 16 Uhr statt. An Wochentagen Dienstag. Wer schaut sich das an? Wer kann das sehen?

Nicht nur TV-Sender, auch etablierte Zeitungen wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ oder die „Welt“ berichten zu einem vernachlässigbaren Anteil über DFB-Frauen. Und selbst bei Nachrichtenportalen wie „Spiegel“ oder t-online sind die Grenzen des Machbaren noch nicht erreicht.

Dass der Frauenfussball interessant ist, ist unbestreitbar. Das zeigten zuletzt Spiele in der Champions League, wo die Stadien (27.000 in Paris, über 90.000 in Barcelona) gut gefüllt waren.

Der Appell an Sender, Verbände und Medienschaffende kann nur lauten: gewagt – und dem Sport letztlich eine sichtbare Plattform zu bieten.

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